Teile deine Erfahrungen mit deinen Mitmenschen. Und wenn nicht, es gibt viele, die es erfahren, auf anstrengende und entwürdigende Weise, im Alltag. Diskriminierte und marginalisierte Menschen können nicht darüber entscheiden, ob sie solche Erfahrungen machen. Es sind andere Menschen, die darüber entscheiden. Lasst uns respekt- und verständnisvoll miteinander umgehen und uns in die Situation des Gegenübers versetzen.
Das ist Alltag, das war eine ganz normale unkomplizierte Situation. Das war,... ich bin mit dem Zug gefahren.
Das passiert ständig jeden Tag, und das bedeutet aber, ich habe keine Lust, jeden einzelnen Moment meines Lebens durch die Diskriminierungsbrille zu betrachten.
Da hab ich Besseres zu tun mit meiner Zeit, als ständig darüber nachzudenken, wie und ob und auf welche Art ich wohl gerade diskriminiert werden könnte.
Da fällt mir Besseres ein, das hier zum Beispiel macht wesentlich mehr Spaß. Das finde ich wesentlich besser.
Aber du suchst es dir nicht aus. Du kannst nicht die Entscheidung treffen, ach, heute werde ich mal keine diskriminierende Erfahrung machen.
Es kann sein, dass du Glück hast und dir über den Tag nichts passiert. Aber das entscheiden andere für dich, ob du eine diskriminierende Erfahrung machst oder nicht.
Und das ist etwas, was viele Diskriminierungsformen gemeinsam haben. Was viele Formen von Marginalisierung gemeinsam haben, dass man sich das nicht aussuchen kann.
Und bei Behinderung finde ich es nochmal besonders spannend, weil Behinderung ist ja nicht mal etwas, was in dem einzelnen Menschen enthalten ist. Du kommst nicht behindert zur Welt, du kommst zur Welt mit Eigenschaften.
Behinderung entsteht aus dem Kontext heraus. Erst aus dem Verhältnis von Individuum zur Gesamtgesellschaft drumherum entsteht Behinderung.
Erst wenn da ein Mismatch, Missverhältnis steht, bist du behindert oder wirst du behindert, besser gesagt.
Oder konkret ausgedrückt, in einer Welt, wo alle so unnötig gross sind, dass wir die Ragale irrational hoch anbringen im Supermarkt, haben kleinwüchsige Menschen ein Problem. Wenn alle Leute kleinwüchsig wären, wäre erstens niemand mehr kleinwüchsig, und, zweitens, die Regale würden im Supermarkt nur bis zu einer vernünftigen Höhe gehen.
Oder noch anders ausgedrückt: In einer Gesellschaft, wo alle auch Autist mit ADHS wären, hätte ich es wahrscheinlich leichter. Die Gesellschaft würde anders aussehen. Sie wäre effizient und angenehm.
zitiert aus Jan Philipp Zymny: Illegale Straßentherapie
https://www.3sat.de/kabarett/kabarett-in-3sat/jan-philipp-zymny-3sat-zu-gast-2026-kabarett-in-3sat-102.html